Mit Kameras und Peilsendern erforschen Völkerkundler eines der größten Mysterien der Wissenschaft: Menschen beim Einkaufen
Die Kamera war direkt auf den Eingang gerichtet. Paco Underhill und seine Mitarbeiter wollten eigentlich nur die Pforte des Warenhauses filmen.
Sie wollten sehen, wie die hinein- und hinausströmende Kundschaft zurechtkam. Später, bei der Durchsicht der Videobänder, stießen die Forscher jedoch auf
ein unerwartetes Phänomen. Ein erstaunliches Verhaltensmuster trat zutage, das Underhill seither "butt-brush"-Effekt nennt. Zu Deutsch etwa: Popo-Wisch-Effekt.
Zufallig hatte die Videokamera nicht nur den Eingang der New Yorker Filiale von Bloomingdale's im Blick, sondern auch ein Regal mit Krawatten, mitten im Hauptgang,
unübersehbar und auffällig. Viele Menschen stoppten davor und prüften den angebotenen Halsschmuck, doch kaum jemand entschloss sich zum Kauf.
Underhill und die Kollegen seiner Beratungsfirnla Envirosell entdeckten den Grund:
Beim Betrachten der Ware wurden die Interessenten regelmäßig von anderen, den Gang entlangströmenden Menschen am Rücken
oder am Hintern berührt. Die Videoaufzeichnungen zeigten eindeutig, dass auch die interessiertesten Kunden sofort von den Krawatten abließen, sobald sie ein- oder zweimal von
anderen Besuchern gestreift worden waren.
So etwas mögen sie nicht, die Kaufhausbesucher. Und was sie noch alles nicht mögen, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem
rasant wachsenden Forschungsgebiet entwickelt. Wer das seltsame Verhalten von Kunden untersucht, braucht mehr Geduld als ein Astronom, mehr Gefühl für bizarres Verhalten als ein Makakenforscher und den analytischen Kopf eines Chaostheoretikers.
Dabei geht es eigentlich nur um eins: um Menschen beim Einkaufen.
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