Lebensmittelzeitung vom 09. März 2007
Wo laufen sie denn?
Verena M. ist vernarrt in alles was schnurrt. Zuhause hält sie drei norwegische Waldkatzen und einen Siamesen. Die vier Stubentiger lieben
Abwechslung im Futternapf, weshalb die 45-Jährige neben Grundnahrungsmitteln wie Milch, Käse, Wurst oder Obst auch Katzenleckerlis auf ihrem langen Einkaufszettel
stehen hat. An der Kasse, während sie ihre Edecard aus dem Portemonnaie fischt, merkt sie jedoch, dass etwas fehlt. Na klar, kurz vor dem Tierfutter ist sie links abgebogen.
Und dann: Aus den Augen aus dem Sinn - die Domino-Leckerlis. Wie Verena M. geht es täglich Tausenden von Kunden. Sie wollen etwas Bestimmtes kaufen, aber die Kaufbereitschaft bleibt sozusagen auf
der Strecke.
Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka will wissen, warum das so ist. - Kurz hinter der Kasse läuft Verena M. einem freundlichen Interviewer in die Arme. Sie
erzählt ihr Dilemma: Von der Kasse schnell in die Abteilung zurücklaufen, den ganzen Verkehr aufhalten? Nein, das wollte sie nicht. Sie verschiebt die Leckerlis lieber auf den nächsten Einkauf. Die Katzen
werden es schon verkraften. Für das E-Center aber ist das entgangener Umsatz. Was Verena M. nicht weiß: Während ihres Einkaufs stand sie immer wieder unter Beobachtung. Zwischen Konservendosen
oder Getränkeflaschen versteckt, stehen in dem nordrhein-westfälischen Verbrauchermarkt so genannte Shopper Research Boxen. Über einen Projektzeitraum von drei Wochen beobachten sie rund 35000 Verbraucher am Regal. Stichprobenartig
erfragt die Hamburger Forschungsgruppe Gdp, deren Spezialität diese Art der Marktforschung ist, noch einmal Kaufmotivation und Befindlichkeiten der Kunden. Die aus Bildern und Befragungsergebnissen erstellte Analyse liefert Kauf- und
Orientierungsverhalten sowie Kaufwahrscheinlichkeiten der Kunden in 3-D-Darstellung. Sie liefert Erkenntnisse über die "Rennstrecken" im Markt, über "tote Ecken" oder die Regalmeter mit höchster Kaufwahrscheinlichkeit.
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